einszweidreivierfünf

5 Hitching Posts; Messingguss, ca. 120h
5 Fotografien, 60x76.5 cm, C-Print

KiöR Wettbewerbsgewinn und Realisierung
>Raiffeisenbank Aeschi, Herzogenbuchsee BE

Nicht alles was man zählen kann, zählt auch,
und nicht alles was zählt, kann man zählen.
Albert Einstein

Das Projekt «einszweidreivierfünf» geht unmittelbar auf die Vorraumgestaltung des Gebäudes an der Bahnhofstrasse 23 und dessen Geschichte ein. 1863 erbaut, beherbergte das Gebäude zuerst ein Restaurant und Café, später ein Postbüro, aber auch danach diente das Erdgeschoss als Ladenlokal mit Besucherfrequenz über den bahnhofstrassenseitigen offenen Vorplatz.
Haus am Gern inszenierte die historisch erhaltene Situation um die neue Raiffeisen-Filiale mit sog. Hitching Posts, Anbindepfosten, an denen damals F.W. Raiffeisen und die Bankkunden ihr Pferd angebunden hätten. Deshalb wird auch der Brunnen an seiner Originalposition belassen und nicht umgestaltet: Hier wird das durstige Pferd getränkt.

Während die «Hitching Posts» auf dem Vorplatz der Geschäftsstelle die KundInnen mit einem simplen und für jedermann verständlichen Zählsystem (wohl dem ersten Zählsystem der Menschheit überhaupt) empfangen, lassen wir im Innern der Bank den Protagonisten auftreten, auf den die ganze Raiffeisen-Idee zurückgeht:
Friedrich Wilhelm Raiffeisen.
1862, ein Jahr vor dem Bau des heutigen Raiffeisen-Gebäudes in Herzogenbuchsee gründete Friedrich Wilhelm Raiffeisen die erste Darlehenskasse mit dem Ziel, Wucher auszuschalten und das Kapital da nutzbar zu machen, wo es erarbeitet wurde.

Auf einer Serie von 5 nebeneinander gehängten Fotografien sehen wir Friedrich Wilhelm Raiffeisen (gedoubelt von einem professionell geschminkten Foto-Model) vor einer Wand mit ebenfalls fünf kleinen Bildern. Auf dem ersten Bild zeigt er (analog zu den «Hitching Posts» auf dem Vorplatz) mit den Fingern der rechten Hand die Zahl 1, auf dem zweiten die Zahl 2, auf dem dritten die Zahl 3, auf dem vierten die Zahl 4, auf dem fünften Bild schliesslich die Zahl 5.
Auf den ersten Blick scheint die Bildlogik gegeben:
• Friedrich Wilhelm Raiffeisen bzw. sein Double steht vor fünf leeren Tafeln, wobei sein Kopf die mittlere Tafel verdeckt.
• Auf dem ersten (linken) Bild sind die Tafeln noch leer.
• Auf dem zweiten Bild erscheint das erste Bild auf der Tafel links oben.
• Auf dem dritten Bild sieht man das erste Bild und daneben das zweite Bild,
und so weiter.
• Und so weiter?
• Mit dem vierten Bild bricht die Bildlogik ein, da Raiffeisens Kopf die dritte Tafel verdeckt.
Wer nun beginnt, auf den zwei restlichen Tafeln die sichtbaren und die nicht sichtbaren – weil verdeckten – Tafeln zu zählen, wird bald einmal konfus. Damit Verstand und Logik nicht ganz im Leeren drehen, hier noch folgende Information: um die fünf Fotografien zu machen, muss der Fotograf im Ganzen zwölf Bilder schiessen...

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